Es ist Abend und ein ereignisreicher Tag geht zu Ende- oder besser gesagt: sollte zu Ende gehen.

Für die Eltern reichts, für die Kinder reichts eigentlich auch. Der Tag hat aber Spuren hinterlassen, die den Geist und die Gedanken des Kindes beschäftigen, aufwühlen und es nicht zur Ruhe kommen lassen.

Eine Phantasiereise kann dem Kind dabei helfen langsam aber sicher wieder auf sicheren Grund zu kommen, langsam aber sicher die Gedanken sinken zu lassen und zur Ruhe zu kommen.

 

Sie können dabei leise Musik einschalten, sie können eine Kerze anzünden oder nur im Dunkel liegen, den Rücken oder Kopf ihres Kindes streicheln oder einfach eng aneinanderkuscheln und ihm so Sicherheit und Geborgenheit geben.

Sprechen Sie Ihr Kind ruhig direkt und mit Namen an, nehmen Sie es an die Hand und wandern Sie los.

 

 

"Komm, Michael, machen wir noch einen kleinen Spaziergang, hinaus aus der hektischen Stadt. Siehst du die Autos, die hohen Häuser, hörst du den Lärm den sie machen?

Wir wandern eine enge Gasse entlang. Die Häuser stehen dicht an dicht. Da ist ein Schuster, dort die Post, hier ein Supermarkt. Die Menschen eilen entlang und manche schauen ein wenig finster. Sie haben keine Zeit.

Aber wir beide, wir gehen weiter und schauen uns in aller Ruhe die Schaufenster an. Hier gibt es Spielzeug, hier gibt es Bücher- mmmh, hier riecht es gut- eine Bäckerei...

Langsam wird die Straße ein wenig lichter- die Häuser rücken ein bisschen auseinander- es gibt viel mehr Luft zum Atmen. Es sind weniger Menschen unterwegs- siehst du das?

Alle gehen gemächlicher. Alles ist ein wenig ruhiger.

Und nun hören die Häuser ganz allmächlich ganz auf. Wir treten aus dieser Gasse hinaus auf eine Wiese. Soviel grün. So saftig, so ruhig.

Ganz langsam wandern wir über diese Wiese. Was wir hier alles entdecken können ist wunderbar. Prächtige Grashalme, bunte Blumen, Bienen und sogar eine kleine Maus, die seelenruhig ihren Bart putzt.

Wir haben uns an den Händen genommen und tanzen auf der Wiese. Dann kommen wir an einen kleinen Bach. Wir haben Glück- eine zierliche Brücke führt über diesen Bach und wir gehen drüber. In der Mitte bleiben wir aber stehen und sehen dem Wasser zu, wie es silbern und glucksend seiner Wege fließt. Irgendwie fließt alles von uns mit. Das ist ein schönes Gefühl.

Gleich nach der Brücke tut sich ein lichter Wald auf. Wir wandern staunend in den hohen Dom und finden eine kleine Lichtung. Die Sonne scheint und wir legen uns hier hin und lassen uns den Bauch wärmen. Das ist angenehm. Es fühlt sich an, als ob die Sonne direkt in unserem Bauch scheint.

Ganz ruhig isses hier und wir schlafen fast ein.

Irgendwann müssen wir aber trotzdem zurück. Und wir wandern wieder aus dem Wald heraus, überqueren den lustigen Bach und schlendern über die Wiese. Ohne Bedauern kehren wir in die kleine Seitengasse zurück und - sie hat sich verändert. Es sind die gleichen Häuser, es sind die gleichen Menschen, aber wir lächeln sie an und sie lächeln zurück. Wir haben einen Teil der hellen Sonne und des lichten Waldes mitgebracht und bringen damit alles zum Strahlen. In aller Ruhe kehren wir zurück und fühlen uns sehr, sehr glücklich."